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Bier scheint es zu allen Zeiten und in nahezu jedem Kulturkreis gegeben
zu haben. Ob zu religiösen Festen oder zur reinen Geselligkeit, ob unter Hinzufügung von
Hirse, Hopfen oder anderer Ingredienzen, Bier war und ist das Volksgetränk Nummer 1.
Über die historischen Anfänge des Bierbrauens gibt es unterschiedliche Auffassungen,
bekannt ist jedoch, daß nicht nur die alten Germanen aus Honig ein Getränk erzeugten (Met),
das man als eine Frühform des Biers ansehen kann. Es weist einiges darauf hin, daß schon
die Sumerer im 4. Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung des Bierbrauens kundig
waren. Weite Teile Asiens, Afrikas, selbst Australiens kannten und kennen Formen der
Bierbereitung. Die Mayas in Südamerika ebenso wie die Banza im Kongo. Pytheas von
Massilia (um 300 v. Chr.) erwähnt an der Ostküste Europas wohnende Stämme, die sich
aus Honig und Getreide ein Getränk zubereiteten, das wir ohne weiteres als Bier
bezeichnen können. Doch nicht nur aus pflanzlichen Bestandteilen verstanden es frühe
Kulturen, sich ein mehr oder weniger berauschendes Getränk zu bereiten. Milch war ebenso
beliebt in manchen Regionen des Erdballs.
Produktion und Konsum von Rauschmitteln lassen sich in allen Kulturkreisen nachweisen.
Es spielt dabei keine Rolle, ob die Menschen in größeren, organisierten Einheiten oder
kleinen Gruppen lebten. Allen gemeinsam ist der Wunsch nach Überwindung alltäglicher
Grenzen oder, wie A. Huxley es formulierte, nach Transzendenz. In
seiner ursprünglichsten Form dürfte der Rausch ein im weitesten Sinne religiöses,
sicher auch ekstatisches Erleben gewesen sein. Relikte davon finden wir heute noch in der
Verabreichung des Meßweins.
Gesellschaftliche Ereignisse jedweder Art waren und sind ebenso Anlaß zur gemeinsamen
Einnahme von meist leichteren Rauschmitteln. Ob dies einer Profanierung des rituellen
Rausches entspricht, ist umstritten. Jedenfalls stärkt es in der Regel das
Zusammengehörigkeitsgefühl der Gruppe, wird aber auch häufig zur kollektiven
Überwindung sozialer Tabus genutzt.
In Europa haben sich im Laufe der Jahrhunderte Bier und Wein als gesellschaftlich
anerkannte Rauschmittel durchgesetzt. Die Zubereitung basiert auf rein pflanzlicher
Grundlage, gegorenes Getreide ist zum Hauptbestandteil geworden. Je nach geographischer
Lage und im Laufe der Zeit sich wandelnd, bestimmen weitere Zutaten die spezifischen
Sorten und Geschmacksrichtungen.
Hopfen (Humulus lupulus), als Bestandteil des Bieres, ist in Europa etwa
seit dem 8. Jhdt. bekannt. Davor wurden die unterschiedlichsten Zutaten als Bitter- und
Würzstoffe verwendet. Nicht nur zur Geschmacksveränderung, wie oft behauptet wird,
sondern ebenso, um die Rauschwirkung zu erhöhen. Myrica gale z. B. wurde noch
lange nach dem Siegeszug des Hopfens aus eben diesem Grund dem Bier beigemischt.
Ob die Wenden den Hopfen als Kulturpflanze nach Europa und in die Altmark
eingeführt haben, ist ungesichert. Zeitlich möglich wäre es durchaus. Die Zubereitung
des Bieres war über Jahrhunderte eine familiäre Angelegenheit (vorwiegend der Frauen),
erst im Mittelalter entstanden erste Brauereien. Ab der Wende vom 13. zum 14. Jahrhundert
kann man von einer gewerblichen Bierproduktion sprechen. Über einen längeren Zeitraum
hin bestanden jedoch gewerbliche Bierproduktion neben den privaten Brauern, sowie den
Klosterbrauereien. Bier hatte im alltäglichen Leben eine heute kaum noch nachvollziehbare
Bedeutung. Es wurde zu allen Tageszeiten genossen und galt als Nahrungsmittel. Speisen
wurden ebenso damit zubereitet wie medizinische Diäten.
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